H: Westungarn, leider nur vier Tage

  • Samstag, 28.4.2007


    Wir fahren kurz nach 10 Uhr in Graz ab und da es sehr warm zu werden verspricht, wird unser (neues) Stromaggregat noch betankt – vielleicht wollen wir ja während der Fahrt die Klimaanlage im Aufbau laufen lassen. Auf der Autobahn geht es nun Richtung Grenze, auf der Bundesstraße geht es dann um Fürstenfeld recht zäh voran, bis wir endlich die Grenze erreichen. Der Grenzübertritt spielt sich mit einem kurzen Blick auf die Reisepässe ab, das war’s dann auch schon. Ein Stückchen weiter vorne steht das verlassene ungarische Abfertigungsgebäude, wo wir vor Jahrzehnten viele Stunden für den Grenzübertritt verbracht haben…


    Auf der ungarischen Seite gibt es bei der ersten Tankstelle gleich einmal die Vignette (Matrica) zu kaufen: ca. 25 EUR kostet es für uns, wenn wir 10 Tage auf der Autobahn fahren wollen. Gleich danach gibt es eine Wechselstube, wo wir uns ein paar Forint holen, der Kurs ist gut.


    Nun fahren wir kurz in den Ort Szentgotthárd, vielleicht gibt es dort Läden zum Einkaufen. Natürlich gibt es welche, allerdings sind die nicht nach unserem Geschmack (Lidl, Penny, Plus). Aber ein Schild weist uns darauf hin, dass 30 km von hier auf unserem ohnehin geplanten Weg in Körmend ein TESCO liegt. Dort wird auch gleich einmal für das Wochenende eingekauft, allerdings gibt es für unseren Geschmack zu wenig lokale und zu viele britische Produkte. Da es inzwischen schon recht spät ist, genießen wir dann gleich auf dem Parkplatz unsere Mittagsjause – eine gute Entscheidung, da auf der weiteren Strecke Parkplätze mehr als rar sind.


    In Vasvár, 15 km östlich von Körmend, biegen wir nach Süden in Richtung Zalaergerszeg ab, das wir rechts liegen lassen und weiter bis Nagykanizsa fahren. Die Straße, die für unseren Geschmack etwas breiter sein dürfte, führt durch helle Wälder, vorbei an riesigen, herrlich duftenden Rapsfeldern und zeigt auch erstaunlicherweise viel unkultiviertes Land. Von Nagykanisza, einem Zentrum der Region, geht es ein Stück weiter nach Osten und dann nach Süden. In Nagyatád, etwa 30 km nördlich der ungarisch-kroatischen Grenze, finden wir auf einem sehr schönen Campingplatz der Castrum-Kette Unterschlupf für die Nacht.


    Der Platz ist groß, außer einer ungarischen Gruppe gibt es eine Handvoll Deutscher und Österreicher. Die Stellplätze sind verschieden groß und durch niedrige Büsche voneinander getrennt, Strom ist überall vorhanden. Die Sanitäranlagen sind neu und blitzsauber. Papa und ich gehen ins Thermalbad nebenan, das durch einen Hintereingang vom Campingplatz aus erreichbar ist. Es ist Teil des Freibades (das noch nicht geöffnet hat) und der Eintritt kostet für Camper HUF 600.-, also rund EUR 2,40. Das Bad besteht aus einem relativ kleinen und seichten Freibecken, das teilweise überdacht ist und hat ein paar Sprudel und Massageanlagen. Das Wasser hat 36 °C.


    Den Abend genießen wir im Wohnmobil und obwohl es tagsüber mit 27 °C recht warm war, wird es jetzt recht kühl. Dafür beginnen Nachtigallen ihr Lied zu singen und erfreuen uns damit die ganze Nacht.


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    Sonntag, 29.4.2007


    Ein neuer schöner Tag begrüßt uns, als erstes gibt es einmal die frischen „ungarischen Brötchen“. Um 10 Uhr sind wir wieder startklar, es geht Richtung kroatischer Grenze bei Barcs. Dort kaufen wir auch noch einmal bei einem SPAR ein, auch andere bekannte Handelsketten wären hier zu finden. Auch hier ist das Warenangebot international, sogar Vollkornbrot wäre erhältlich, frische Backwaren sind am Sonntag nur beschränkt im Angebot, ebenso Frischfleisch, verhungern muss jedoch niemand.


    Nun geht es ostwärts Richtung Pécs, kleine Orte, oft mit sehr einfachen Häusern aber immer sehr gepflegt, säumen den Weg. Das helle Grün der Bäume, die goldgelben Rapsfelder, die blühenden Kastanienalleen, das alles gibt dem Land einen heiteren Anstrich. Langsam tut sich aus der Ebene im Norde eine Hügelkette auf, wohl hie als Gebirge bezeichnet. Zu Mittag erreichen wir Pécs, ein Zentrum mit allen Konsumtempeln, die man in Europa kennt, vor allem aber mit einer sicher sehenswerten Altstadt mit schöner Stadtmauer, zu Kirchen umgewandelten Moscheen und der viertürmigen Kathedrale. Wir haben Probleme mit dem Parken, zudem hat unser Vater heute Kreuzschmerzen und möchte nicht unbedingt weit gehen. So fahren wir hinauf zum Fernsehturm, wo wir nicht nur einen schönen Mittagsrastplatz finden, sondern um HUF 600.- mit dem Lift auf den Turm fahren können, von wo wir einen herrlichen Rundumblick und einen wunderbaren Ausblick auf die Stadt genießen.


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    Nächste Station ist Mohács an der Donau. Ein paar Kilometer südlich der Stadt fanden zwei historische Schlachten statt: 1526 besiegten die Osmanen die Ungarn, die in der Folge etwa 100 Jahre unter türkischer Herrschaft standen, 1687 wurden dann die Osmanen von den Habsburgern geschlagen. An die erste der beiden Schlachten erinnert hier eine Gedenkstätte, in der das Schlachtgeschehen nachgestellt wird.


    Nun beschließen wir, wie es weitergehen soll. Weiter im Osten liegen keine vielversprechenden Campingplätze und allzu weit in den Osten zu fahren lässt unser beschränktes Zeitbudget nicht zu. Also geht es an der Donau nordwärts, uns überraschen die vielen deutschen Beschriftungen. Der Grund dafür ist nicht etwa touristisches Interesse sondern die Tatsache, dass hier Donauschwaben leben. Von der Donau sieht man nur sehr selten etwas, meist ist sie durch Buschwerk verdeckt. Etwa 30 km nördlich von Mohacs geht es nun von der Donau weg, wir halten uns auf Székesfehérvár zu, das wir allerdings an diesem Tag nicht mehr erreichen.


    Etwa 60 km südlich dieser Stadt finden wir einen Campingplatz (Camping Aucost), auf dem wir die kommende Nacht verbringen. Abgesehen von einigen Mietern von Häuschen am Gelände steht hier außer uns noch ein zweites WoMo, im Dauercamperbereich gibt es ein paar Gäste. Die Sanitäranlagen sind großteils noch geschlossen, einfach aber sauber. Auch hier bewacht eine Nachtigall unseren Schlaf, allerdings ist sie weiter in der Ferne.


    Montag, 30.4.2007


    Heute ist es etwas kühler – auch nicht unangenehm. Nach dem Frühstück geht es durch kleine, einfache und saubere Dörfer, wo am Straßenrand Produkte des Landes verkauft werden (getrocknete Bohnen, getrockneter Paprika, Zwiebel, Knoblauch, Würste, Äpfel, Balkonblumen) nach Székesfehérvár, wo wir bei AUCHAN, einer französischen Supermarktkette einkaufen. Wie auch in Frankreich wird bei dieser Kette die Betonung auf regionale Produkte gelegt, was uns sehr sympathisch ist. Wir bunkern noch einmal Wurst und etwas Fleisch für den Abend, ehe wir auf der Autobahn nach Budapest fahren.


    Budapest? Eigentlich hatten wir vor, die Hauptstadt auszuklammern, da an einem verlängerten Wochenende wie diesem der große Rummel zu erwarten ist. Aber da wir ans Donauknie wollen und Roland noch nie(!) in Budapest war, wollen wir wenigstens die Durchfahrt wagen und auf den Gellertberg fahren, von wo die Stadt zu Füßen liegt.


    Die Zufahrt zur Zitadelle auf dem Gellertberg ist problemlos und gut beschildert, weniger einfach ist es zu einem Parkticket zu kommen. Der Parkautomat „frisst“ nur Münzen, es gibt einen offiziellen Geldwechsler, der Scheine in Münzen tauscht und dann füttere ich den Automaten mit HUF 1300.- (ca. EUR 5,20) und erwerbe damit die Berechtigung, eine Stunde mit Hannibal auf dem Busparkplatz zu stehen. Aber Achtung: Ein Kontrollor wacht über das Ganze und wer nicht bezahlt, wird bestraft. Nun gehen wir die paar Schritte zur Aussichtsterrasse und haben nun einen herrlichen Blick auf die Stadt, die Donau mit den Brücken, die Burg, das Parlament, die Schiffe. Wir werden wieder kommen, keine Frage!


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    Heute geht es nun einmal nach Norden, wir wollen auf dem Campingplatz Papsziget in Szentende die Nacht verbringen. Zu unserer Verwunderung ist dieser nur von ein paar Fahrzeugen einer französischen Gruppe belegt, ein paar wenige Deutsche gesellen sich hinzu, wodurch auch für uns noch sehr viel Platz bleibt. Der Campingplatz liegt auf einer kleinen Donauinsel, hohe Bäume spenden Schatten, vor dem Tor fährt der Linienbus nach Budapest. Die Sanitäranlagen sind sehr einfach, allerdings haben sie in letzter Zeit offensichtlich einen Farbkübel gesehen und sind sauber. Das Umfeld des Platzes wirkt mit ein paar alten Hütten und einigen verkommenen Gebäuden desolat, die Platzleitung ist sehr freundlich und bemüht sich um das Wohlergehen.


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    Dienstag, 1.5.2007


    Heute geht es die Donau aufwärts zum Donauknie, die von der Burg Visegrad bewacht wird. Hier erinnert die Landschaft stark an die Wachau, allein die Weinberge fehlen. In Dömös scheint es einen hübsch an der Donau liegenden Campingplatz zu geben, vielleicht sollten wir den einmal versuchen? Weiter geht es immer entlang der breiten Donau bis Esztergom.


    In Esztergom erwartet uns die größte Kirche Ungarns und eine der größten Europas. Die Lage der klassizistischen Basilika auf dem Hügel erinnert etwas an die des Stiftes Melk am Eingang zur Wachau. Wir stellen uns um HUF 800.- (EUR 3,20) auf den bewachten Busparkplatz und erkunden das Gelände um die Kirche und ihr Inneres. Auffällig ist, dass es hier außer uns keine Besucher aus dem ehemaligen Westen gibt, Polen, Ukrainer, Slowaken und natürlich Ungarn stellen hier die Touristen.


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    Ein kurzes Stück geht es nun die Donau entlang, aber als wir dann einen Mittagsplatz suchen, rückt der Fluss immer mehr außer Sichtweite. Györ wird nur kurz durchfahren und wir landen auf der Autobahn Richtung Wien, wo wir auf dem ersten Parkplatz rasten und unsere weitere Route besprechen.


    In Mosonmagyaróvár geht es nun wieder ab von der Autobahn, wir fahren nach Süden und umrunden so den Neusiedlersee auf ungarischer Seite. Ein kurzer Abstecher führt uns zum Esterházy-Schloss in Fertöd, allerdings ergreifen wir vor dem Rummel hier sofort wieder die Flucht. Wir wollen wiederkommen, allerdings nicht an einem 1. Mai…


    Der Grenzübergang bei Sopron in Richtung Deutschkreuz wird problemlos überqueret und nach einer schönen Fahrt durch das Südburgenland erreichen wir wieder Graz.


    Unser Fazit:
    Wir werden wieder nach Ungarn fahren, noch tummeln sich zumindest außerhalb der Brennpunkte Budapest und Balaton zumindest um diese Jahreszeit noch nicht die Massen. Das Land ist sauber und gepflegt, der Tourist scheint als Gast willkommen zu sein und darf sich auch so fühlen. Die Campingplätze sind zahlreich vorhanden, eine generelle Aussage bezüglich ihrer Qualität ist nach drei besuchten Plätzen nicht möglich. Lebensmittelläden gibt es in jeder Größe und Art wie Sand am Meer. Diesel kostet gleich viel wie in Österreich, das Tankstellennetz ist dicht (OMV, MOL, SHELL). Bezahlen kann man vielfach problemlos mit Kreditkarte, Bankomaten sind zahlreich vorhanden. Die Straßen sind gut, aber auf den Bundesstraßen kommt man nicht besonders zügig voran, vor allem wegen der endlosen Straßendörfer. Ohne Vignette auf der Autobahn zu fahren ist nicht ratsam, wir haben einige Kontrollen gesehen. Viele Ungarn sprechen zumindest ein wenig Deutsch, ansonsten sind sie bemüht „mit Händen und Füßen“ zu sprechen, ein freundliches ungarisches „Kösönöm“ (Danke) zaubert auch dort ein noch freundlicheres Lächeln auf das Gesicht des Gastgebers.

  • Moin Moin
    Ein schöner Bericht Uli.
    An vielen Orten die Du beschrieben hast waren wir auch schon.
    Seit ihr in Szendtendre nur auf dem CP gewesen?Wenn ja habt ihr eine wunderschöne kleine Stadt verpaßt.


    Siggi

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